wohnsiedlung – fassadengestaltung
studienprojekt









Farbklang der Wohnsiedlung Röntgenareal (von rechts nach links):
Ockergrün, warmes Grau und Rosaocker (Fassadenflächen). Dachuntersicht: Rubinrot.
Bausockel: Umbra. Briefkastenstützwand: Anthrazit. Balkonuntersicht: Hellgrau.
Storenkästen: Schwarzblau. Lamellenstoren: Hellgrau. Fensterrahmen: Weiss. Markisen: Orange.

Farbmuster und -tafeln, Materialmuster, Raummodell der Wohnsiedlung mit Quartierumgebung auf der Ost- und Nordseite, Farbstiftskizzen. Fotografien und Dokumentation.
Balance – Wohnsiedlung Röntgenareal
| Objekt | Wohnsiedlung Röntgenareal, Zürich. Farb- und Materialgestaltung der Fassaden |
| Auftrag | Studienprojekt Farbgestaltung im Aussenraum. Haus der Farbe, Zürich |
| Bauzeit | 1998/2002 |
| Projekt | 2014 |
| Material | Organosilikatfarbe (Fassade) |
| Farbklang | Fassaden: Ockergrün – Graubeige – Rosaocker. Einzelelemente: Dunkle Umbra – Warmgrau – Schwarzblau – Rubinrot – Orange. Eigenentwicklung der Farbtöne |
Die subtilen Farbnuancen lassen sich am Bildschirm nur annähernd wiedergeben.
Projektaufgabe
Die Aufgabe umfasst die Entwicklung eines neuen Farbkonzepts für eine sanfte Neugestaltung der Fassaden der Wohnsiedlung „Röntgenareal“ in Zürich.
Die neue Farbgestaltung soll den Ort qualitativ aufwerten und ihm eine neue Identität verleihen. Die markante Aussage des Areals mit den Punkthäusern wird angemessen verändert, ohne an Deutlichkeit zu verlieren.
Ausgangslage
Die Geschichte
Die Wohnsiedlung Röntgenareal im Zürcher Kreis 5 – Zürich-West, ehemals Industriequartier – wurde im Jahr 2000 auf dem ehemaligen Röntgenareal nahe dem Gleisfeld des Zürcher Hauptbahnhofs fertiggestellt. Im Volksmund nannte man die neuen Häuser wegen ihrer Würfelform und den farbenfrohen orangen und gelben Fassaden «Sugus-Häuser».
Der visionäre Bauunternehmer und Investor Leopold Bachmann initiierte und baute die Siedlung mit 300 Wohnungen mit dem Ziel privaten, aber preisgünstigen Wohnraum für Familien, Geringverdienende, Ausländer und Berufstätige zu schaffen. Die Siedlung war ein auffälliges Beispiel für soziale Vielfalt an zentraler Lage.
Analyse
Der Ort
Ein Ort zwischen Ruhe und Betriebsamkeit: Die Wohnsiedlung befindet sich an der Schnittstelle zwischen dem grossstädtischen Wohnquartier um den Röntgenplatz im Kreis 5 und den Gleisanlagen des Zürcher Hauptbahnhofs.
Dadurch ist sie von zwei grundverschiedenen Kontexten umgeben: Auf der Nordseite die ruhige, traditionell geprägte Atmosphäre der grossstädtischen Blockrandbebauungen aus dem frühen 20. Jahrhundert mit Putzfassaden in einer verhaltenen, erdigen Farbigkeit von Beige bis Rot.
Auf der Südseite die Welt der Betriebsamkeit mit den unablässig ein- und ausfahrenden Zügen und einer Farbenpalette von Braun und Grau.
Die Wohnsiedlung liegt damit im Spannungsfeld von Beständigkeit und Wohnlichkeit und von Dynamik und Technik.
Die Architektur
Die fünf gelben und vier orangenen Punkthäuser sind in versetzten Dreier-Reihen leicht schräg angeordnet. Durch die lockere Struktur entstehen zwischen den Bauten Grünflächen, Wege und Plätze sowie vielfältige Durchblicke und Ausblicke in die unmittelbare Umgebung.
Die bestehenden Fassadenwände aus bunt gestrichenen zementgebundenen Duripanel-Platten wirken flach und matt. Sie bilden die Hintergrundfolie für die transparent wirkenden, metallisch reflektierenden Aluminium-Brüstungen der umlaufenden Balkone.
Die scharfkantigen Lochblech-Brüstungen sind schräg nach aussen geneigt und die Bodenflächen der Balkone im Verhältnis zum Hausgrundriss leicht abgedreht. Dies verleiht den Bauten Plastizität – sie wirken wie Schichtentorten mit verschobenen Etagen.
Die Formen der Architektur, die Materialisierung und die Farbigkeit der Fassaden sprechen dieselbe laute und scharfe Sprache und thematisieren vorherrschend den dynamischen Aspekt des Ortes.
Farbgestaltung
Dynamik und Ruhe in Balance
Gestaltungsabsicht
Die neue Farbgestaltung möchte die Siedlung in Einklang mit ihrem architektonischen Kontext auf der Nordseite bringen. Ein fein nuanciertes, rhythmisiertes Farbenspiel soll zu einer ruhigen, heiteren Wohnatmosphäre beitragen, inmitten der Betriebsamkeit von Bahn und Stadt.
Farbkonzept
Die gestalterische Intervention konzentriert sich auf die Fassadenflächen, die Balkon- und Vordachuntersichten, die Storenkästen und Rafflamellenstoren sowie Gebäudesockel und Briefkastenwand.
Der Balkonbetonboden, die Balkontrennwände aus transluzentem Glas (Milchglas) und die Balkonbrüstungen aus Aluminium bleiben unverändert.
Sämtliche Farbnuancen wurden eigens von Hand entwickelt und verbinden sich subtil miteinander.
Für die Fassadenflächen arbeitet das Farbkonzept mit einem Dreiklang sanfter Farbtöne – Ockergrün, Rosaocker und warmes Grau.
Die drei Fassadenfarben sind jeweils einem ganzen Gebäude zugeordnet und nach einem spielerischen Rhythmus auf die Punkthäuser verteilt, wodurch ein lebendiger Wechsel entsteht.
Durch den analogen Helligkeitswert verbinden sich die drei Farben mit der Metallfarbigkeit der vorgelagerten Balkonbrüstungen und vereinheitlichen die Erscheinung des Baus.
Die Organosilikatfarbe verleiht den Fassaden eine matte, samtige Oberfläche mit feiner Tiefenwirkung – ein ruhiger Kontrast zum metallischen Glanz der Balkonbrüstungen.
Der schmale Sockelstreifen aus Beton ist zurückhaltend in Umbra gestrichen, während die rubinrote Dachuntersicht den oberen Bauabschluss bunt markiert. Die Balkonuntersichten erscheinen in diskretem Hellgrau. Die Storenkästen werden kontrastvoll in tiefem Schwarzblau abgesetzt. Die intensiv orangefarbenen Markisen treten in der neuen Farbgestaltung mit dezenteren Fassadenfarben als gezielter Farbakzent hervor.
Atmosphäre
Die zurückhaltende, fein abgestimmte Farbigkeit der Fassaden lässt das Kolorit der angrenzenden Blockrandbebauungen in einer erdigeren, sanfteren Tonalität nachklingen. Die Siedlung öffnet sich farblich zum Quartier hin, statt sich wie bisher lautstark davon abzusetzen.
Vor Ort entfaltet sich ein ruhiges Zusammenspiel: Die matten, warmen Fassadentöne verbinden sich besänftigend mit den scharfkantigen Balkonbrüstungen aus Aluminium, deren metallischer Glanz im wechselnden Tageslicht lebendig bleibt. Der Baumbestand zwischen den Häusern filtert das Licht und lässt die Farben je nach Jahreszeit anders erscheinen – kühler im Winterlicht, wärmer im sommerlichen Grün. Hie und da blitzen die orangefarbenen Markisen als heitere Akzente zwischen den Etagen auf.
So entsteht eine Atmosphäre gelassener Eigenständigkeit: Die Siedlung bewahrt ihre Präsenz und Identität, findet aber zugleich eine neue Balance zwischen Ausdruck und Einbindung.





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