tageszentrum demenz
studienprojekt farbgestaltung im innenraum








Gelb: Eingangshalle zum Gebäude B mit Tageszentrum. Der Eingang im N (unten im Bild)
Orange: Grosser Aufenthaltsraum im SW (oben) und Aufenthaltsraum im O der Feriengäste (unten)
Ockerbraun: Ruheräume Tagesgäste (oben) und Feriengäste (unten)
Rosa: Verbindungskorridor. Blau: Toilette für Gäste. Graugrün: Personalräume, Bad/Toilette

Herzstück – Die Heilkraft der Natur im Innern spiegeln
| Objekt | Tageszentrum Demenz, Pflegezentrum Entlisberg, Zürich |
| Auftrag | Studienprojekt Farbgestaltung im Innenraum. Haus der Farbe, Zürich |
| Bauzeit | Bau 1974, Umbau 2002/2003 |
| Projekt | 2014 |
| Material | Organosilikatfarbe, Ölfarbe |
| Farbklang | Eigene Entwicklung der Farbtöne: Zusammenspiel verschiedener Grün- und Blaunuancen mit Goldorange, Grau, Rot, Beige und Rosa |
Die subtilen Farbnuancen lassen sich am Bildschirm nur annähernd wiedergeben.
Kontext
Das 1974 erbaute Bauensemble des Pflegezentrums Entlisberg steht mit seinen zwei hochaufragenden Bettentrakten in einer wunderbaren Parkanlage am Waldrand oberhalb von Wollishofen, umgeben von einem locker bebauten, grünen Wohnquartier.
Das Bettenhaus A wurde 2003–2005 erneuert.
Das Tageszentrum für Tages- und Feriengäste mit Demenz befindet sich im Erdgeschoss des ehemaligen Personalhauses, das 2002–2003 zum Bettenhaus B umgebaut worden war.
Projektaufgabe
Für die Eingangshalle in Bettenhaus B und die Innenräume des Tageszentrums für Menschen mit Demenz ist ein Farb- und Materialgestaltungskonzept zu entwickeln.
Das Tageszentrum soll dadurch eine kraftvolle Identität erhalten und als Visitenkarte für das Pflegezentrum Entlisberg wirken.
Die verschiedenen Räume sollen farblich klar strukturiert werden und eine wohnliche Atmosphäre ausstrahlen.
Ausgangslage
Räumliche Struktur
In das Tageszentrum gelangt man direkt durch die Eingangshalle des Bettenhauses B. Die Räumlichkeiten umfassen drei Bereiche: den Südwestflügel mit grossem Aufenthaltsraum und zwei Ruheräumen für die Tagesgäste – den Ostflügel mit drei Zimmern für die Feriengäste und einem kleineren Aufenthaltsraum – und den langgezogenen Verbindungsgang mit angrenzenden Sanitär- und Personalräumen.
Atmosphärische Analyse
Während die grosszügige Parkanlage mit ihrer sorgfältigen Gestaltung und farblichen Vielfalt die Menschen willkommen heisst, wirken die Innenräume des Tageszentrums unpersönlich und wenig einladend: Die Eingangshalle strahlt die Anonymität eines Bürogebäudes aus. In den Innenräumen wirkt die vorherrschende helle Farbigkeit mit viel Weiss, Hellgrau, Blassgrün, -blau und -gelb kühl und kraftlos. Sie zieht sich undifferenziert durch alle Räume, ungeachtet von Funktion und Charakter.
Das natürliche Tageslicht kommt von Südwesten, wo der grosse Aufenthaltsraum und die Ruheräume der Tagesgäste liegen, und von Osten, wo sich der Bereich der Feriengäste befindet. Dadurch ergeben sich zwei Raumbereiche mit unterschiedlichem Charakter:
Den grossen Aufenthaltsraum mit der langen Fensterfront erhellt das intensive, warmtonige Nachmittagslicht.
Im Bereich der Feriengäste dringt das helle und klare Licht des Morgens ein, am Nachmittag liegen diese Räume im Schatten.
Das natürliche Licht vermischt sich mit dem Kunstlicht der eingebauten Deckenbeleuchtung mit ausschliesslich nach unten gerichtetem Licht, was die Räume niedrig wirken lässt.
Die Blickbeziehung zum Aussenraum und das mit Ausnahme des Verbindungsgangs in allen Räumen vorhandene Tageslicht sind wichtige Qualitäten im Innenraum.
Absicht der Farbgestaltung
Das Erlebnis der vielfältig gestalteten Parklandschaft mit dem Reichtum an Formen und Farbnuancen der Blumen und Grünpflanzen bildet den Ausgangspunkt der Gestaltungsidee. Die Qualität dieses Aussenraums wirkt in den Menschen nach, die hier ankommen, leben oder arbeiten.
Die Absicht der Farbgestaltung ist, die Qualitäten und Eigenschaften des Naturraums im Inneren lebendig zu halten und in transformierter Form erlebbar zu machen.
Sie möchte die Menschen mit Demenz in ihrem Herzen und ihren Gefühlen berühren und zu ihrem Wohlbefinden an diesem Ort beitragen. Zugleich soll für das Betreuungspersonal eine lebendige und freundliche Arbeitsatmosphäre entstehen.
Farb- und Materialkonzept
Umfang der Massnahmen
Die gestalterischen Veränderungen betreffen Wandflächen, Türen, Fensterrahmen, Bodenflächen, Mobiliar in den Aufenthaltsräumen, Textilien (Vorhänge, Polsterbespannungen und Accessoires) sowie Beschilderungen und Signaletik.
Farbklang – Farbstimmungen
Die Innenräume erhalten verschiedene Farbstimmungen in Verbindung mit der entsprechenden Raumfunktion und -nutzung. Durch die Differenzierung der Farbgebung erhalten die einzelnen Räume eine eigene Identität. Dadurch können sich die Gäste besser orientieren.
Das gesamte Farberlebnis im Tageszentrum lebt von sinnlichen Farbakzenten, die vielfältig sind, sich aber zugleich zu einem harmonischen Gesamtklang verbinden.
Wichtig dabei sind das in subtilen Variationen immer wieder vorkommende Grün und die Wiederholung einzelner Farben. Für das geschwächte Augenlicht sind die Farbentöne leicht gesättigter gemischt.
Material
Für den Boden im Tageszentrum ist ein oxy-geöltes Eichenparkett vorgesehen, für die Wandflächen Organosilikat-Schlemme und für die Türelemente Ölfarbe.
Die einzelnen Räume
Die Eingangshalle – als Übergang vom Aussenraum in die geschützte Innenwelt des Tageszentrums – empfängt mit drei abgestuften Grünnuancen. Die Raumstimmung ist freundlich, dezent und ruhig.
Der anschliessende grosse und lichterfüllte Aufenthaltsraum mit direktem Zugang zur Südterrasse lebt von frühlingshafter, südlicher Farbigkeit mit hellem Gelbgrün, Himmelblau, Goldorange und warmem Grau. Hier verbringen die Gäste den grössten Teil des Tages – sie essen, sitzen beisammen und nehmen an verschiedensten Aktivitäten teil.
Die zwei Ruheräume für Tagesgäste mit Demenz im Südwesten erscheinen in einem ruhigen Klang aus zurückhaltendem Blau und Grün und einem lehmigen Schlammton. Dieser Farbklang entspricht der gedämpften Stimmung eines späten Nachmittags.
In den Zimmern für Feriengäste mit Demenz im Osten entfaltet sich ein Farbklang von sanftem Grün, Blaugrün und Rosa, der die Frische und das kühlere Licht des Morgens in sich trägt. Hier halten sich Gäste einige Tage oder Wochen auf.
Der intimere Aufenthaltsraum der Feriengäste im Osten dient als Rückzugsort – gemütlich und ruhig, aber doch farbig und belebend. Die Farbgebung der Wände in Mint, hellem Gelbgrün und Himmelblau erinnert an den Farbklang des grossen Aufenthaltsraumes, hier aber in Ostlichtstimmung.
Der Verbindungsgang zwischen den zwei Ruhebereichen schliesslich wird als Bildergalerie gestaltet. Auf der einen Wandseite bildet ein heller Sandton den Hintergrund für Fotografien mit Landschafts- und Menschenmotiven. Gegenüber kontrastiert die Wand in dunklerem, warmem Himmelblau, rhythmisiert durch zwei Türen in Dunkelgrün. Am Ende des Gangs leuchtet die erdigrote Schrankfront auf.
Die Helldunkel-Differenzierung, der Farbwechsel zwischen Wand und Türen sowie das Rot am Gangende schaffen im beengenden Verbindungsgang eine lebendige und weiträumigere Atmosphäre.
Raumatmosphäre
Die Demenz kann uns Zahlen, Zeiten, Zukunft und vieles mehr entgleiten lassen. Doch das Aufleuchten im Innern ist nach wie vor möglich.
Ruth Minder: Demenz verstehen. Leitfaden für die Praxis

Handgefertigte Farbmuster in Originalfarbe und -Materialität, Materialmuster (Boden/Textilien/Mobiliar) und drei Raummodelle (von links nach rechts: grosser Aufenthaltsraum, Ruhezimmer der Tagesgäste und Feriengästebereich)




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