Farbe und licht
studienprojekt


Experimentieren mit Wirkungen im Raum: Skulpturale Objekte, Wandstrukturen, Modellfiguren, Lichtreflexionen und Spiegelungen

Tageslichteinfall durch Schlitzöffnungen: Wände in Gold und Anthrazit, Decke in Weiss, Boden in Umbra

Arbeitsprozess und Erkenntnisse: Skizzen und Fotografien der simulierten Licht- und Farbwirkungen

Lichtinszenierung bei Nacht mit Grossstadt-Skyline

Lichtinszenierung bei Tag vor Waldkulisse

Lichtinszenierung bei Dämmerung mit farbigem Licht
Experimentieren mit Licht, Farbe und Raum
| Objekt | Experimenteller Gestaltungsprozess |
| Auftrag | Farbe und Licht – Studien und Experimente mit Raummodellen. Haus der Farbe, Zürich |
| Projekt | 2013 |
| Material | Modellbau, grafische Mittel, Fotografie, digitale Bildbearbeitung und Fotomontage |
| Farben | Verschiedene Nuancen |
Die subtilen Farbnuancen lassen sich am Bildschirm nur annähernd wiedergeben.
Kontext
Licht, Farbe, Material und Raum
Licht ist die Voraussetzung für unsere visuelle Wahrnehmung – Formen und Farben sehen wir nur durch Licht. Wie stark es auf unsere Stimmung wirkt, erleben wir täglich: im Freien ebenso wie im Innenraum, wo Tages- und Kunstlicht im Zusammenspiel mit Farbe und Material die Raumatmosphäre prägen.
Natur- und Kunstlicht
Naturlicht wechselt seine Qualität je nach Tages- und Jahreszeit – intensiv im Sommer, fahl im Winter, kühl am Morgen, warm am späten Nachmittag.
Kunstlicht besitzt je nach Quelle unterschiedliche Qualitäten: Halogenlicht liegt mit seinem Spektrum nahe am Tageslicht und erreicht mit dem maximalen Farbwiedergabeindex CRI/Ra 100 eine nahezu perfekte Farbwiedergabe – je höher der Wert, desto natürlicher und lebendiger wirken die Farben.
LED-Licht bildet dagegen härtere Hell-Dunkel-Kontraste: Die Schattenkanten wirken oft schärfer und weniger harmonisch als bei Halogen oder Tageslicht, was das Wohlbefinden des Auges beeinflusst. So erscheint LED-Licht in einem bestimmten Sinn naturfremder – ein Eindruck, der sich seit dem Projektzeitpunkt 2013 nicht wesentlich verändert hat: Auch heute wird LED oft als härter, blendender und ermüdender empfunden als Halogenlicht. Selbst die besten High-CRI-LEDs erreichen mit Werten von 95 bis 98 zwar sehr gute Ergebnisse, doch an die natürliche Wirkung von Tageslicht oder Halogenlicht reichen sie nicht heran.
Statisches und dynamisches Licht
Weil sich das Tageslicht wandelt, wandelt sich auch die Farbe: Dieselbe Wand kann morgens kühl und gegen Abend warm erscheinen. Kunstlicht – insbesondere modernes LED-Licht – kann statisch oder dynamisch sein. Im Alltag erleben wir meist statisches Licht, etwa klassische Decken- und Tischlampen. Moderne LED-Systeme im Smart Home, in Büros und in Gesundheitseinrichtungen nutzen dagegen dynamische, biorhythmische Beleuchtung, die sich dem natürlichen Tagesverlauf anpasst.
Material
In unserer realen Umgebung ist Farbe nicht nur eine immaterielle Erscheinung, sondern vor allem materielle Substanz. Erst Material und Oberfläche erzeugen – im Zusammenspiel mit Licht – die Wirkungen von Farbton und Helligkeit, Glanz und Mattheit, Struktur, Relief und Transparenz.
Wie lebendig und unverfälscht diese Materialqualitäten in kunstlichtbeleuchteten Räumen erscheinen, hängt massgeblich von der Farbwiedergabequalität der Lichtquelle ab.
Raumgestaltung
In der Raumgestaltung gilt es, Material, Farbe und Licht so aufeinander abzustimmen, dass sie Wohlbefinden, Gesundheit und Ästhetik gleichermassen fördern.
Projektaufgabe
Im Rahmen des Moduls Farbe und Licht wurden zwei praktische Studien mit Raummodellen erarbeitet:
Raum der Stille – Tageslicht im Innenbereich
Skulpturenhof – Lichtinszenierung im Aussenbereich
Raum der Stille – Tageslicht im Innenbereich
Das Ziel
In einem Raummodell eine sakrale Raumwirkung gestalten mit den Mitteln von Tageslichteinfall durch gezielte Öffnungen, der Gestaltung von Wänden, Boden und Decke sowie bewusster Oberflächenstruktur und Farbe.
Die Fragestellung
Wie lässt sich eine sakrale Atmosphäre erzeugen?
Wie verändert der Lichteinfall durch Öffnungen den Innenraum?
Welche Rolle spielen dabei Materialien, Farbnuancen und Oberflächenstrukturen?
Das Raummodell
Ein hochrechteckiges Kartonmodell mit offener Front (Proportionen 4 : 6 : 9; B/H/T) dient als Versuchsfeld. Durch schmale Schlitzöffnungen in der rückseitigen Wand tritt Tageslicht ein.
Je nach Sonnenstand, Wetter und Ausrichtung des Modells entstehen wechselnde Lichtkegel und Schattenspiele.
Der Arbeitsprozess
Als Erstes werden reale Tageslichtsituationen in Innenräumen beobachtet. Darauf folgen Ideenskizzen und Tonwertstudien für einen Raum der Stille; anschliessend wird das Modell mit entsprechenden Öffnungen gebaut. Zum Schluss werden verschiedene Gestaltungen und Wirkungen im Innenraum simuliert.
Die Erkenntnisse
Im Modell des Raums der Stille tritt das Naturlicht durch die schmalen Schlitzöffnungen an der rückseitigen Wand ein. Je nach Lichteinfall und Orientierung des Modells entstehen verschiedene Raumwirkungen.
Reflektierende unbunte oder farbige Flächen aussen streuen getöntes Licht in den Raum und verändern die Stimmung grundlegend.
Variationen von matt bis glänzend, hell bis dunkel sowie gemustert oder uni transformieren die wahrgenommenen Raumproportionen und das Raumgefühl.
Der Einsatz einer Modellfigur definiert den menschlichen Massstab und macht die Raumwirkung greifbar.
Skulpturenhof – Lichtinszenierung im Aussenbereich
Das Ziel
Einen begehbaren Skulpturenhof als monumentale Raumlandschaft inszenieren.
Dazu werden natürliches Tageslicht und künstliche Beleuchtung, farbige Lichtwirkungen, Körper- und Schlagschatten sowie verschiedene Materialien, Oberflächenstrukturen und Farben eingesetzt.
Die Fragestellung
Wie wirkt Licht zu verschiedenen Tages- und Nachtzeiten auf eine monumentale Aussenraumlandschaft?
Wie erzeugen Körper- und Schlagschatten räumliche Tiefe?
Wie verändern Farbe, Material und Oberflächenstruktur die Wirkung der Flächen und Objekte im Raum?
Wie lassen sich unterschiedliche räumliche Kontexte – von Natur bis Grossstadt – inszenieren?
Das Raummodell
Der „Skulpturenhof“ simuliert den Aussenbereich eines modernen Museums für abstrakte Kunst. Das Modell kombiniert Wandstrukturen in verschiedenen Formen und Farbnuancen, eine Wasserfläche, freigestellte Objekte und eine schwarze Modellfigur.
Der Arbeitsprozess
Die Gestaltung des Skulpturenhofs entsteht als Prozess: Durch Anordnen von geschwungenen und geraden Elementen entstehen Sichtachsen, Plätze und Verengungen. Objekte mit skulpturalem Charakter werden platziert. Eine schwarze Modellfigur definiert den menschlichen Massstab.
Verschiedene Lichtsituationen, Perspektiven und Blickachsen werden erkundet und fotografiert.
Mittels Bildbearbeitung und Fotomontage werden unterschiedliche Kontextsituationen simuliert.
Die Erkenntnisse
Wechselnde Lichtsituationen (Tageslicht, Kunstlicht, farbige Akzente) verändern Tiefe und Charakter des Raumlandschaft deutlich.
Das Einfügen von Hintergründen (Naturlandschaft vs. Skyline) setzt den architektonischen Raum in neue emotionale Kontexte.
Modellfiguren verleihen den abstrakten Formen eine beeindruckende, monumentale Dimension.
Fazit
Beide Studienprojekte zeigen eindrücklich: Raumwirkung ist kein Zufall. Das Experimentieren am Modell macht das feine Zusammenspiel von Lichteinfall, Textur und Tonwert besonders anschaulich erfahrbar – ein wertvolles Werkzeug für die bewusste Gestaltungsarbeit im realen Raum.

Präsentation der experimentellen Projekte mit Fotografien Dokumentationsunterlagen zum Prozess






Übersicht der Lichtinszenierungen bei Tag, Nacht – im Kontext von Natur bis Grossstadt

Lichtinszenierung bei Tag mit Wasserfläche

Lichtinszenierung bei Dämmerung mit farbigem Licht

Lichtinszenierung bei Nacht mit farbigem Licht vor Grossstadt-Skyline

Lichtinszenierung bei Dämmerung mit farbigem Lichtvor Grossstadt-Skyline

Lichtinszenierung bei Tag mit glänzenden Bodenflächen

Lichtinszenierung bei Tag mit Wasserfläche vor Grossstadt-Skyline

Blick hinter die Kulissen – Der Werktisch mit Inszenierungsmittel

Blick hinter die Kulissen – Der Werktisch mit Inszenierungsmittel
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