ornament und architektur
studienprojekt











Ornament entwickeln – im Raum anwenden
| Objekt | Experimenteller Gestaltungsprozess |
| Auftrag | Studienprojekt: Ornament und Architektur. Haus der Farbe, Zürich |
| Projekt | 2013 |
| Material | Verschiedene Materialien, grafische Mittel und Techniken |
| Farben | Schwarz und Weiss Goldlasur Fuchsia und Blaupetrol Rostrot und Umbra |
Die subtilen Farbnuancen lassen sich am Bildschirm nur annähernd wiedergeben.
Kontext
Das Ornament gehört zu den frühesten künstlerischen Ausdrucksformen der Menschen.
Ornamente und Dekor als schmückende und gliedernde Elemente in der Architektur spielten in vergangenen Epochen eine bedeutende Rolle, bis sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den Hintergrund gedrängt wurden.
In den 1970er und 1980er Jahren, in der Postmoderne, schaffte das Ornament wieder erfolgreich die Rückkehr in die Architektursprache. Gegen Ende des Jahrhunderts wurde es zunehmend direkt in das Material, in die Gebäudehülle integriert, was anschliessend zum digital generierten Ornament und seiner heutigen Anwendung im Bau führte.
Das Verhältnis von Ornament und Architektur ist eines der spannendsten Themen der Baugeschichte – in theoretischer so wie praktischer Hinsicht.
In der Farb- und Materialgestaltung am Bau bieten sich Ornamente als vielfältiges und vielschichtiges Mittel für die Gestaltung an Boden, Wand und Decke.
Sie können Räume strukturieren, gliedern oder durch Räume leiten; Oberflächen beleben oder Flächen Plastizität verleihen; Farbdynamik einführen oder unvorteilhafte Raumproportionen korrigieren – Ornamente rufen emotionale Assoziationen hervor und schaffen Atmosphäre.
Aufgabe
Im Vertiefungsmodul Ornament und Architektur ging es zum Einen darum, sich mit dem Thema Ornament im Kontext der Architektur und der Raumgestaltung theoretisch auseinanderzusetzen, und zum anderen, einen praktischen experimentellen Prozess durchzulaufen und Ornamente zu entwickeln, die anschliessend auf den Raum angewandt und visualisiert werden.
Gestaltungsprozess
Vom Objekt zum Ornament
Anfang
Am Anfang steht ein Alltagsgegenstand: ein ockergelbes Windlicht mit ornamentalem Lochmuster.
Erforschen
Zunächst wird das Objekt in seiner Erscheinung und Materialität untersucht. Das Ornamentmuster wird auf verschiedene Art auf weissem oder Transparentpapier festgehalten – in präzisen Umrissen, als kontrastierende Schwarz-Weiss-Flächen oder in feinen linearen Strukturen.
Angeregt durch die zylindrische Form des Windlichts entsteht so eine Reihe schmaler, rechteckiger Papierstreifen.
Gestaltungsmittel
Im weiteren Prozess wurden zwei unterschiedliche Gestaltungsmittel angewendet:
1: Überlagerung und Verschiebung der Papierstreifen, anschliessend Zusammenfügen zu Ornamentgebilden.
2: Aus- und Zuschneiden von freien Formen aus den Papierstreifen, anschliessend Zusammenfügen zu Ornamentgebilden.
In beiden Fällen entwickelte sich ein Gestaltungsprozess mit Weiss, Schwarz und Graunuancen mit der Bildung organischer bzw. geometrischer Ornamente.
Experimentieren 1: Überlagern
Jeweils zwei oder drei dieser Musterblätter werden übereinandergelegt und spielerisch gegeneinander verschoben.
Durch das Zusammenspiel von Transluzenz, Licht und Schatten entfalten sich faszinierende flächige und plastische Wirkungen, die fotografisch eingefangen werden.
Durch Zuschneiden der entstandenen Musterbilder, neu zusammenstellen und anordnen werden neue geometrische Formgebilde gestaltet.
Die selben Musterblätter können weiter verschiedentlich aneinander gereiht oder zueiander verschoben werden, so dass Rapportgebilde entstehen.
Experimentieren 2: Ausschneiden und neue Formen generieren
Die Entdeckungsreise verselbständigt sich und mündet in einen freien Entwurfsprozess in Schwarz, Grau und Weiss: Die dokumentierten Muster werden zu neuen Formen aus- und zugeschnitten. Diese werden anschliessend zu neuen Formgebilden zusammengefügt. Schliesslich entsteht ein neues Musterbild.
Verdichten: Neue Muster gestalten
Die Musterbilder werden vervielfacht und zu einem neuen Ornament verdichtet.
Durch diesen mehrstufigen Gestaltungsprozess entstehen völlig unerwartete Kompositionen – mal locker und frei im Raum arrangiert, mal als organisch-dichte Struktur oder als geometrisch-komplexes Gefüge.
In Verdichten 1 entstanden aus der Überlagerung und gegenseitigen Verschiebung der ursprünglichen Musterstreifen neue Musterbilder in Schwarz, Grau und Weiss. Daraus wurden sechs rechteckige Ausschnitte gewählt; drei davon wurden zusätzlich doppelt gespiegelt (waagrecht und senkrecht), sodass insgesamt neun Bausteine zur Verfügung standen.
Diese Bausteine wurden zu einem geometrischen Raster aus vier Zeilen und acht Spalten angeordnet. Durch das rhythmische Wiederholen, Versetzen und Spiegeln der Bausteine entsteht ein regelmässiges, zugleich lebendiges Gefüge: Die Zeilen greifen dieselben Elemente in verschobener Reihenfolge auf und verzahnen sich so miteinander.
Das Ergebnis: ein dichtes, vielschichtiges Ornamentbild, das sich in alle Richtungen unendlich erweitern lässt.
In Verdichten 2 wurden die aus- und zugeschnittenen Formen zu organischen, frei fliessenden Ornamentbildern verwandelt, die auch erweiterbare Rapporte bilden.
Spektrum der Materialien und Techniken
Grafische Mittel, Durchpausen auf Transparentpapier, Ausdrucke auf Papier, Überlagerung und Verschiebungen von Formen, Aus- und Zuschneiden, Collage, Fotografie, digitale Bearbeitungstechniken und experimentelle Visualisierungen.
Das Ornament im Raum anwenden
Experimentelle Visualisierungen
Durch digitale Visualisierung, Fotobearbeitung und Fotomontage wird die Wirkung des Ornaments im Aussen- und Innenraum erprobt.
Im Treppenhaus des Bauhaus-Hauptgebäudes in Dessau, gebaut 1925/26 kleidet das geometrische Schwarz-Weiss-Ornament, das aus Überlagerung und Verschiebung der ursprünglichen Musterblätter entstand, die Seitenwand.
Dasselbe Ornament kleidet die Fassade des Prellerhaus, dem Wohn- und Ateliergebäude für die Studierenden am Bauhaus.
An beiden Orten wurden weitere Ornamentmuster visualisiert.
Schliesslich widmet sich eine experimentelle Studie zur Wirkung eines Ornaments an der Fassade des Vorarlberg Museums in Bregenz (2013), simuliert mittels Fotomontage: das goldfarbene Ornament liegt über der weiss lasierten Betonfassade. Als Vorlage diente eine eigene Komposition aus ausgeschnittenen Musterfragmenten.
Frei weiterentwickeln
Form – Farbe – Muster
Der Gestaltungsprozess hat sich bisher auf die unbunte Palette konzentriert. Deshalb werden gestalterische Möglichkeiten ergänzend mit bunten Farben erforscht.
Ein Ornament in den Farben Fuchsia und Blaupetrol basiert auf der ersten Serie mit den Mitteln Überlagerung mehrerer Musterblätter und digitaler Bearbeitung. Es erinnert an Pflanzenblätter und Blüten. Durch den subtilen Kalt-Warm-Kontrast wirkt das Ornament organisch und räumlich bewegt, die Farben leuchten kräftig.
Ein zweites vielschichtiges Ornament in Rostrot, Umbra, Burgunderrot und -schwarz ist aus der Zusammenstellung verschiedener ausgeschnittener Musterfragmente und digitaler Bearbeitung entwickelt. Hier treffen organische Formen auf geometrische Flächen.
Der rostrote Hintergrund besteht aus horizontalen Ornamentstreifen, die rhythmisch abgestuft sind. Darüber sind vier verschieden grosse, transluzente bis deckende Quadratflächen gelegt. Dadurch erscheint die ornamentale Musterung linear, flächig, dunkler oder heller.







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