seilbahn gotschna – klosters
studienprojekt


Farbklang Gotschnarot – Silbergrau – Schieferanthrazit. Material- und Farbmuster für Boden, Decken, Wände, Fenster. Gestein am Gotschnaberg, Beschriftung, Visualisierungen (Farbstiftskizzen, Modellfotografien und Raummodelle).




Alle drei Stationen im Farbklang Gotschnarot – Silbergrau – Schieferanthrazit.


Gotschnarot –
Farb- und Materialgestaltung
| Objekt | Seilbahn Gotschna, Klosters. Aussen- und Innenraumgestaltung |
| Auftrag | Diplomprojekt Farbgestaltung HF. Haus der Farbe, Zürich |
| Bauzeit | 1949/1965/1987 |
| Projekt | 2015 |
| Material | Aussendispersion, Sol-Silikatfarbe, KEIM Lignosil (Silikat-Holzfarbe) |
| Farbklang | Gotschnarot – Silbergrau – Schieferanthrazit. Inspiriert vom Gestein am Gotschnaberg |
Die subtilen Farbnuancen lassen sich am Bildschirm nur annähernd wiedergeben.
Projektaufgabe
Ausgangslage
Die Gotschnabahn in Klosters wurde letztmals 1987 vollständig erneuert. Die Seilbahn ist eng verknüpft mit dem wirtschaftlichen Erfolg des Tourismusortes Klosters und dem Alltag seiner Bevölkerung.
Aufgabe der Diplomarbeit ist, ein Konzept für die Neugestaltung der farblichen Erscheinung der Gebäudehüllen der drei Stationsbauten inklusive Gondeln sowie deren Innenräume zu entwickeln.
Ziel
Die Farbgestaltung soll einen markanten, identitätsstiftenden und zukunftsfähigen Auftritt erzeugen und gleichzeitig den architektonischen, landschaftlichen, ortsgeschichtlichen und menschlichen Kontext berücksichtigen.
Gestaltungsabsicht
Analyse
Die Umgebung und der Seilbahnbetrieb sind von Dualität und starken Kontrasten geprägt: Gleissendes Weiss im Winter – saftiges Grün im Sommer; das Tal umfangen von Bergen – die überwältigende Fernsicht auf dem Grat; der Drang des Menschen, so rasch wie möglich hoch auf den Berg zu gelangen – das Warten in der Schlange; das lärmende Klirren der Skiausrüstungen in Bewegung – die Stille der leeren Räume dazwischen.
Lärm und Stille – Fülle und Leere – Bewegung und Stillstand – fester Boden unter den Füssen und Schweben in der Luft – Enge und Weite.
Gestaltungsidee
Diese starken Gegensätze und die zielorientierte Bewegung bilden zusammen mit der Farbenwelt des Gesteins am Gotschnaberg die Inspirationsquelle für die Farbgestaltung: Gotschnarot – Silbergrau – Schieferanthrazit.
Die Farbgestaltung soll eine kraftvolle Aussage erzeugen, die der Bedeutung der Seilbahn gerecht wird und der Dynamik des Betriebs standhält.
Die architektonische Gestalt der drei Stationen wird strukturiert: die Aufnahme- und Nebengebäude einerseits und die Seilbahnperrons andererseits werden klar differenziert. Die Perronhauben treten als farblich markantes Identitätssignal in Gotschnarot hervor, während die Gebäude als ruhige farbliche Einheit erscheinen.
In den Innenräumen wird die Signalfarbe Gotschnarot zum Führungsinstrument, das dem hektischen Bewegungsablauf der Menschen eine greifbare Gestalt verleiht.
Gestaltungskonzept
Feuer und Stille
Das Farbkonzept arbeitet mit dem Mittel der Reduktion und des Kontrastes, um deutliche und starke, nachhaltig wirkende Aussagen zu schaffen. Ein Farbenpaar übernimmt diese Aufgabe: ein erdiges Rot und ein Silbergrau – die eine Farbe ist bunt und intensiv, die andere zurückhaltend aus der unbunten Schwarz-Weiss-Skala.
Das Gotschnarot
Dominant, auffallend, in den Raum drängend – es ist die aktive Kraft im Paar, sie tritt hervor, zieht die Aufmerksamkeit auf sich, setzt sich ab.
Dieses aus der Gesteinsvielfalt des Gotschnagrats entwickelte Rot ist von warmer Qualität, erweist dem Berg die Referenz und nimmt im gleichen Zug die Verbindung mit der natürlichen Umgebung auf.
Im Wandel der Jahreszeiten entsteht ein vielschichtiges Farbenspiel mit der Buntheit der Naturfarben im Sommer, den Grünnuancen der Nadelbäume und dem silberweissen Glanz im Winter.
Das Silbergrau
Zurückhaltend, edel, still – es bildet den diskreten Gegenpol, erlaubt dem vorwärtsdrängenden Rot, in seiner Ruhe nachzuklingen, und verbindet sich mit der Materialfarbigkeit der Metallflächen.
Die helle Farbe inspiriert sich am Gipsstein, der früher am Gotschnaboden abgebaut wurde.
Das Schieferanthrazit
Der Boden der Innenräume ist durchgehend in Schieferanthrazit gehalten – der Farbton erinnert an das Schiefergestein an den Flanken des Gotschnabergs.
Dieses tiefe, neutrale Anthrazit bildet das visuelle Fundament des gesamten Innenraums. Als beruhigende, unbunte Basis erdet er die Räume und schluckt harte Lichtreflexionen.
Einbindung in den Landschaftsraum
Klosters liegt am Ende des Prättigaus. Hier weitet sich das sich stetig in die Höhe schlängelnde Tal zur sonnigen Ebene. Vier mächtige Bergmassive umfangen den Ort. Ihre Bergspitzen sind Wahrzeichen in der Landschaft von Klosters: Madrisahorn, Alpeltispitz, Gatschiferspitz und die Casanna oberhalb des Gotschnagrats bilden hochgelegene Referenzpunkte in der unmittelbaren Umgebung. Diese Referenzpunkte werden in die Farbgestaltung der Innenräume eingebunden. Dort entfaltet sich das Kräftespiel zwischen Rot und Grau – Rot die „Leitfarbe“, Silbergrau der „Hintergrundklang“, beides gehalten durch das Anthrazitfundament.
Grundlage für die Gestaltungsmuster der beiden Farben im Raum ist die Verortung der Seilbahnstationen im grossen Landschaftsraum. In der Landkarte 1:25‘000 wurden die Positionen der drei Gotschna-Stationen als Luftlinien mit den Positionen der vier als Wahrzeichen identifizierten Bergspitzen um Klosters verbunden.
Das daraus entstehende Linienmuster wird zum Ausgangspunkt für die Positionierung und Führung der Farben im Raum: Das Linienmuster wird in die Räume der drei Stationen nach drei verschiedenen Systemen übertragen und transzendiert die architektonischen Strukturen mit einer energetischen und geomantischen Qualität.
Damit entsteht zwischen Boden, Wänden und Decke ein dynamisches Raumerlebnis.
Raumstimmung
Drang und Ruhe, Berg und Tal, Feuer und Stille – im Innern der Stationen wird die Polarität der Landschaft zum räumlichen Erlebnis. Das Rot führt, das Grau trägt, das Anthrazit erdet – der Raum bewegt und hält zugleich.

Links: Talstation (oben): Rot begleitet als Flächen über die Wände zum Perron. Mittelstation (Mitte): Rot führt als dynamischer Leitfaden über Decken, Wände und Boden. Bergstation (unten): Die Grenzlinien Rot-Schwarz bezeichnen am Boden die Luftlinien zu den vier Bergspitzen.
Mitte: Grafische Darstellung der Verbindungslinien zwischen den drei Stationen und den vier Bergspitzen.
Rechts: Topographischer Kartenausschnitt mit den Luftlinien zwischen den drei Stationen und den vier Bergspitzen.


Farbstiftskizze: Visualisierung der Talstation im Farbklang Gotschnarot–Silbergrau–Schieferanthrazit.


Farbstiftskizze: Visualisierung der Mittelstation im Farbklang Gotschnarot–Silbergrau–Schieferanthrazit.


Farbstiftskizze: Visualisierung der Bergstation im Farbklang Gotschnarot–Silbergrau–Schieferanthrazit.
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